Sommerliches

Die 9 ultimativen Sommer-Bücher

Freitagsbloggers geht 3 Wochen in die Ferien und wünscht allen viel Zeit und Spass beim Lesen unserer Büchertipps:

von Dominique Götz

Die Liebe in groben Zügen
Dieser ein Kilogramm-schwere Ehekrisen-Liebesroman ist ideal für Paare, die etwas in die Jahre gekommen und schon länger zusammen sind. Vor allem für jene, die per Auto über den Gotthard fahren, ins Tessin oder nach Oberitalien. Denn die beiden Hauptprotagonisten – ein reifes Ehepaar –  besitzen ein schönes Ferienhaus und ein Motorboot am Gardasee. Trotz all der Idylle durchleben die TV-Journalistin und der Drehbuchautor eine Ehe- und Sinnkrise. Ausserdem ist der Liebhaber der Ehefrau ein Schriftsteller, der auf den Spuren des Franz von Assisi viel geschichtlichen Stoff liefert. Und es gibt auch viele Rückblenden in die Kindheit und Jugend der Protagonisten.  Auf 700 Seiten passiert einfach so ziemlich alles, was auch sonst so im Leben passiert. Warnung: Bodo Kirchhoff’s heiter-ironische Erzählkunst zieht einem schnell in einen Sog und kann süchtig machen! Der Roman ist nur für Feriengäste geeignet, die Zeit und Musse haben im Liegestuhl am Seeufer oder beim Pool stundenlang zu lesen.  Alle Anderen, insbesondere Eltern, die mit ihren Kindern unterwegs sind, sollten die Finger von diesem Ehe-Schmöker lassen. 

„Die Liebe in groben Zügen“ von Bobo Kirchhoff, Frankfurter Verlagsanstalt 2012, 700 Seiten, 17.90 Franken


Die grosse Liebe
Der ultimative Liebesroman des Österreichers Hanns-Josef Ortheil riecht nach Spaghetti Vongole, nach Salzwasser und Leidenschaft, ist humorvoll und wird dabei nie trivial oder kitschig.  Denn der Autor, unter anderem bekannt für sein Buch „Die Erfindung des Lebens“, kann nicht nur gut schreiben, sondern einem auch noch glauben lassen, man habe noch nie einen perfekteren Liebesroman gelesen, oder ein perfekteres Ferienbuch: Ein Fernsehredakteur recherchiert für einen Film über das Meer in einem italienischen Touristenstädtchen an der Adria und verliebt sich dabei in eine Meeresbiologin. Im Rhythmus der heissen Sommertage, wird das Treiben des Meeres beschrieben und mit viel Lust getrunken, geküsst und gegessen. 

„Die grosse Liebe“ von Hanns-Josef Ortheil, btb-Verlag, 2005, 317 Seiten, 13.90 Franken

Nächsten Sommer
Dieses Sommerbuch ist das Lieblingsbuch meiner 18-jährigen Nichte, das sie mir zu Weihnachten schenkte. Ein witziges Roadmovie, das die Sehnsucht nach Sommer und Freiheit atmet. Edgar Rai erzählt mit viel Wärme und Humor in einer einfachen Jugendsprache über die Fahrt von drei Freunden in einem VW-Bus nach Südfrankreich: Die Reise ihres Leben, und am Ende der Strasse wartet ein Haus am Meer. Dabei geht es auch um Freundschaft, Liebe und Leidenschaft. Dieser Roman ist die ideale Ferienlektüre für jugendliche Leserinnen und Leser und könnte vielleicht so einige junge Erwachsene von ihrem Handy oder der Play-Station weglocken. 

„Nächsten Sommer“ von Edgar Rai, Aufbau Verlag Taschenbuch , 236 Seiten, 13.50 Franken

Bis ans Ende der Meere
Dieser historische Roman ist ideal für fernwehgeplagte Daheimgebliebene: Denn mit dem Expeditionsmaler John Webber reist man auf der letzten Weltumseglung von James Cook vier Jahre lang rund um die Welt. Als Leser erlebt man die schwüle Hitze der Südsee sowie die bittere Kälte der Bering See durch die Augen und Farben des Schiffsmalers, der auf Befehl von Captain Cook nur herrliche Landschaftsbilder und beschönigende Portraits von Einheimischen und der Crew malen darf, um dessen heroisches Andenken nicht zu gefährden. Der historische Roman von Lukas Hartmann ist ein umfangreiches und farbiges Kunstwerk, das ein federleichtes Portrait des grossen Entdeckers Cook zeichnet, welcher Ende des 18. Jahrhunderts mit einer gigantischen Entourage ins exotische Paradies reiste. Der Autor beschreibt mit Feingefühl die Sorgen, Nöte und Ängste der Segelcrew auf der „Resolution“  und der „Discovery“ und schafft es dabei, seine umfangreichen Recherchen zu einem spannenden und unterhaltsamen Roman zu verarbeiten. 

„Bis ans Ende der Meere“ von Lukas Hartmann, Diogenes Taschenbuchverlag, 2010, 496 Seiten, 17.90 Franken

Nach Hause schwimmen
Mit diesem Entwicklungsroman gewann der Schweizer Rolf Lappert 2008 den Schweizer Buchpreis. Obwohl der Titel sehr sommerlich tönt, ist das Buch kein typisches Sommerbuch, aber eines meiner liebsten. Und es kann einem durchaus durch den Sommer begleiten, denn ein Swimming Pool spielt im ersten Teil der Geschichte eine wesentliche Rolle. Der kleine Wilbur – alles andere als ein Glückskind – hasst Wasser und hasst schwimmen. Er muss lernen zu schwimmen und zu leben und irgendwie wird er dabei erwachsen. Er wächst bei seinen Grosseltern in Irland als Aussenseiter auf und muss schon früh einige Schicksalsschläge verkraften. Rolf Lappert gelingt es mit bunten und menschlichen Figuren und vielfältigen Schauplätzen die schräge Geschichte eines Jungen zu erzählen, der seinen Vater sucht, aber vor allem sich selber. Eine traurig-komische Geschichte, die berührt und in einer wunderschönen poetischen Sprache dahinfliesst. 

„Nach Hause schwimmen“ von Rolf Lappert, Hanser Verlag, 2008, 543 Seiten, 24.50 Franken

Lost and Found
Es ist mir etwas peinlich mich hier auf Freitagsbloggers als „Gruftie“ zu outen, die noch CDs kauft. Doch der CD-Titel „Lost and Found“ hat mir gefallen und ausserdem überzeugte mich die kartonierte  vintage-style Verpackung, die ein kleines Büchlein mit alten Fotos des „Buena Vista Social Club“ enthält inklusive Liedertexten zum Mitsingen. Denn nichts ist schöner als an einem schwülen Sommerabend den Ghetto-Blaster auf der Terrasse zu installieren und bei einem Cuba-Libre mit viel Limonensaft und einem Berg Eiswürfel die kubanischen Rhythmen dieser Kultband einzulegen – glücklich, wer eine Hängematte besitzt!  Die CD enthält schwülstige Salsa-Merengue-Rhythmen, die jedoch sehr ungekünstelt und jazzig daherkommen und mit afrikanisch anmutenden  Trommelsolos durchzogen sind: alles unveröffentlichte Musikstücke der Band: eben lost and found…. 

„Lost and Found“, 13 Musikstücke des Buena Vista Social Club, World Circuit, Preis hab ich vergessen

von Jana Kilchenmann:

Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn Trank: Mein Leben mit Mumble
Man weiss nicht, dass man sich für Eulen interessiert, bis man dieses Buch gelesen hat. In Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank beschreibt Martin Windrow sein Zusammenleben mit dem Waldkäuzchen Mumble; zuerst im 7. Stock einer Londoner Wohnung und später in Sussex auf dem Land. Dazwischen erfasst der britische Journalist und Historiker die Zoologie, die Herkunft und Verbreitung der Eulen, ihr Verhältnis zu uns Menschen und ihre natürlichen Verhaltensweisen. Deshalb ist dieses Buch wohl nur für Tierfreunde interessant. Doch dank übersichtlichem Layout lassen sich diese Abschnitte bei Bedarf leicht überspringen und man hat noch immer viel davon. Und Windrow schafft es einfach, einen mit seiner Begeisterung für diese „fliegenden Katzen“ in den Bann zu ziehen. Denn umso liebevoller sind die Kapitel und Abschnitte, in denen es um das Leben mit Mumble geht. Der Autor beweist viel Selbstironie, wenn er zum Beispiel seine anfängliche Unkenntnis zugibt oder über sein durch die Eule eingeschränktes Sozialleben spricht. Die Geschichte über diese einzigartige Beziehung ist eine wunderbare Strand-Lektüre und liest sich genau so gut abends beim erfrischenden Sommergewitter. 

„Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank: Mein Leben mit Mumble“ von Martin Windrow ist 2015 beim Carl Hanser Verlag in München erschienen und umfasst 315 Seiten. Die Originalausgabe wurde 2014 unter dem Titel „The Owl Who Liked Sitting on Caesar“ von Bantam Press veröffentlicht.
„Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank: Mein Leben mit Mumble“ von Martin Windrow ist 2015 beim Carl Hanser Verlag in München erschienen und umfasst 315 Seiten.
Die Originalausgabe wurde 2014 unter dem Titel „The Owl Who Liked Sitting on Caesar“ von Bantam Press veröffentlicht.


Salt & Silver: Reisen Surfen Kochen
Dieses Buch vereint Reisen, Surfen und Kochen nicht nur im Titel. Johannes Riffelmacher, „Jo“ genannt, und Thomas Kosikowski, alias „Cozy“, sind ein Jahr lang mit ihren Surfbrettern und ihrer Kochausrüstung durch Lateinamerika gereist. Angefangen in Kuba, entlang der mexikanischen Pazifikküste bis ans Ende des Kontinents waren die beiden Hamburger stets auf der Suche nach lokalen Spezialitäten und den besten Surf-Spots. Jo hat unterwegs geschrieben und Cozy fotografiert. Entstanden ist ein 320 Seiten umfassendes bildreiches Kochbuch, das gleichzeitig einen tiefen Einblick in die Südamerikanische Kultur bietet. Denn die beiden Autoren haben neben 90 Rezepten auch ihre teilweise waghalsigen Reiseerlebnisse festgehalten. Sie beschreiben die besten Surf-Strände inklusive Infos zu Koordinaten, Surferdichte und Schwierigkeitsgrad. Und das alles chronologisch gegliedert entlang ihrer Reiseroute durch acht Länder in Mittel- und Südamerika. Cozy und Jo bewegen sich abseits der Touristen-Routen und freunden sich immer schnell mit den „Locals“ an. Durch ihre Offenheit für das Unbekannte finden sie sich zwar ausgezeichnet zurecht, beweisen aber auch einen Hang für gefährliche Situationen. Durch Jos kurzweiligen Sprachstil und Cozys wunderschönen überträgt sich ihre Begeisterung für das Reisen, Surfen und Kochen schon ab der ersten Seite auf den Leser. 

„Reisen, Surfen, Kochen“ von Johannes Riffelmacher und Thomas Kosikowski ist 2015 im Neuer Umschau Buchverlag erschienen und umfasst 320 Seiten. Das Projekt der beiden nennt sich „Salt and Silver“ und es soll in Zukunft noch weitere Reisen geben.
„Reisen, Surfen, Kochen“ von Johannes Riffelmacher und Thomas Kosikowski ist 2015 im Neuer Umschau Buchverlag erschienen und umfasst 320 Seiten. Das Projekt der beiden nennt sich „Salt and Silver“ und es soll in Zukunft noch weitere Reisen geben.


Wanderlust
„Man kann fast überall bloss deswegen nicht recht auf die Beine kommen und auf den Beinen bleiben, weil man zu viel fährt. Wer zu viel in dem Wagen sitzt, mit dem kann es nicht ordentlich gehen. Das Gefühl dieser Wahrheit scheint unaustilgbar zu sein. Wenn die Maschine stecken bleibt, sagt man doch noch immer, als ob man recht sehr tätig dabei wäre: Es will nicht gehen.“ – aus Fahren zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft von Johann Gottfried Seume.
Dieses Buch ist eine Liebeserklärung an das Wandern, Spazieren, Pilgern, Flanieren oder einfach das Gehen zu Fuss. Es enthält 30 Texte unter anderem von Franz Kafka, Robert Walser, Patrick Süskind oder Max Frisch. Es ein toller Begleiter auf kurzen Spaziergängen und längeren Wanderungen und passt in jeden Rucksack. Gleichzeitig können die kurzen Geschichten, Essays und Gedichte auch als Inspiration für den nächsten Gang zu Fuss dienen. 

Wanderlust ist 2012 beim Diogenes Verlag in Zürich erschienen. Es umfasst 30 Texte von diversen Autoren auf 285 Seiten.
Wanderlust ist 2012 beim Diogenes Verlag in Zürich erschienen. Es umfasst 30 Texte von diversen Autoren auf 285 Seiten.

Der nächste Blogpost folgt am 24. Juli. Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern einen wunderschönen Sommer.

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