Basel

Tag der Poesie 8. September 2018

Poesie in Bewegung auf Strassen, Plätzen und an geheimen Orten

Wer dieses Wochenende noch nichts geplant hat und ein Antistressprogramm sucht, sollte unbedingt nach Basel reisen. Denn der Verein „Poesietag“ belebt die Strassen mit Lesungen und Perfomances. Das diesjährige Programm ist vielversprechend: Eine Poesie-Karawane bewegt sich quer durch ganz Basel vom Elisabethenkirchplatz bis zur Dreirosenanlage, wo man zum Abschluss Gedichte pflücken und Poesiepostkarten schreiben kann. An 10 Haltestellen tragen insbesondere junge Poetinnen und Poeten ihre mehrheitlich unveröffentlichen Gedichte vor, an der Oetlinger Buvette wird man sogar auf einen Poetry Slam-Literaturautomaten treffen. Lust macht auch der kunsthistorische Lyrikdialog zwischen Rilke und Cézanne im Kunstmuseum Basel am Sonntag. Alisha Stöcklin, die Präsidentin des Vereins „Poesietag“ empfiehlt auch die Gedenklesung auf der Ueli-Fähre am Samstagabend, die den Auftakt zu einer Reihe von Gedenkveranstaltungen verstorbener Lyrikerinnen und Lyriker unter dem Titel „Gegen das Vergessen“ bildet, die der Verein Poesietag auch unter dem Jahr durchführen wird. Oder den Stadtrundgang am Sonntag in den Untergrund an geheime Orte, wo der Strassenkünstler Leo Marggraf früher als Obdachloser Schutz suchte. Zusammen mit seiner Schwester Maria, einer jungen Poetin, führt er einen lyrischen Dialog über das Leben auf der Strasse. Die Gäste des diesjährigen „Tag der Poesie“ sind Poeten des schottischen Schriftsteller-Nationalteams. Sie werden nicht nur um 12 Uhr am Buschweilerhof gegen das Schweizer Nationalteam kicken, sondern auch am Abend im Restaurant Atlantis unter anderem gegen Pedro Lenz, Bänz Friedli und Renato Kaiser auf der Bühne antreten. „Das Programm hat sich wie von selber zusammengefügt“, erklärte die Organisatorin Alisha Stöcklin auf Anfrage. Stöcklin hat Philosophie und Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Basel studiert und ist in der Basler Literaturszene durch ihr kulturelles Engagement gut vernetzt. So bekommt sie immer wieder Anfragen für eine Teilnahme am Tag der Poesie, wie beispielsweise von den Herausgebern der Werkausgabe von Kuno Raeber – die beiden Literaturwissenschaftler werden am Rheinsprung in dessen Werk einführen.

Poesie als Gegenmacht und Antiprogramm

Stöcklin hat 2012 den Verein „Poesietag“ gegründet, den „Tag der Poesie“ wieder ins Leben gerufen und führt diesen nun zum 7. Mal durch. Sie hat damit die Tradition des Liteaturaktivisten und Basler Kulturpreisträgers Matthyas Jenny wieder aufgenommen, der 1979 den „Tag der Poesie“ organisierte, weil er fand, dass aufgrund der „überwältigenden Werbeflut und im beginnenden Zeitalter der Elektronik eine „Gegenmacht“ aus Poesie für die Bevölkerung aufgebaut werden muss». Dazu verteilte er in den Strassen eigens angefertigte Gedichtplakate und Gedichtflugblätter. Der „Tag der Poesie“ wurde von Jenny bis 1988 auch in Sarnen, Liestal, Zürich, Bern und St. Gallen durchgeführt. Poesiefans in Kassel, Hamburg und sogar San Francisco folgten Jennys Beispiel. Jenny’s Poesietage fanden immer Ende März statt und führten dazu, dass die UNESCO schliesslich den 21. März zum „Welttag der Poesie“ ernannte.

Matthyas Jenny vor 30 Jahren beim Verteilen von Gedichtflugblättern in Basel

Alisha Stöcklin freut sich über das positive Echo, dass die Poesietage hervorrufen: „Es war schön in den letzten Jahren zu sehen, wie der „Tag der Poesie“ Anklang findet und wahrgenommenen wird. Die Leute haben Lust, den Tag mitzugestalten.“ Das Ziel des Vereins, Poesie unter die Leute zu bringen, hat Alisha Stöcklin auf jeden Fall erreicht und leistet damit auch einen wertvollen Beitrag dazu, dass Basel als Literaturstadt auf sich aufmerksam machen kann. Und eben auch, dass wir den elektronischen und sozialen Medien und dem Kommerz für einmal ein ganzes Wochenende den Rücken kehren können – am besten darum das Handy gleich zu Hause lassen.

Programm, Flyers und Infos auf https://www.tagderpoesie.ch/

Tickets bestellen:  Poetry-Battle und Rock/Blues Konzert der Stevie Nimmo Band aus Schottland 

 

 

 

 

 

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